Was junge Köpfe bewegt

Klimawandel, Energieversorgung, nachhaltiger Konsum – Themen wie diese beschäftigen immer mehr junge Menschen. Auch im Kollegi Schwyz und in der Bezirksschule Steinen wird diskutiert, gepflanzt, getauscht – und überlegt, wie die Zukunft aussehen soll.

Gebrauchte Kleider mitnehmen – und in der Garderobe gleich ausprobieren: Das Projekt «Tausch im Gewölbe» der Schülergruppe «Kollegi4future» macht’s möglich.

In den Gängen des Kollegi Schwyz herrscht reger Mittagsbetrieb: Schülerinnen und Schüler kommen aus der Mensa, lachen, diskutieren, checken kurz das Handy oder «chillen» auf den Treppenstufen. Ein Stockwerk tiefer, im Gewölbekeller des historischen Gebäudes, geht es nicht weniger lebendig zu. Neben dem Eingang stehen Pingpongtische und Billardkästen. Bälle klacken, ein Schläger schnippt, jemand jubelt kurz, dann wieder Gelächter. Und gleich daneben steht er: der Kleidertauschschrank «Tausch im Gewölbe». Wer hier vorbeigeht, bleibt oft einen Moment stehen, öffnet eine Tür, schaut hinein – und entdeckt vielleicht ein Buch, einen Pullover oder ein Shirt. Die Botschaft: Dinge müssen nicht neu sein, um wertvoll zu sein. Sie dürfen weitergegeben werden, den Besitzer wechseln, ein zweites Leben bekommen.

Hinter dem Kleidertauschschrank steht eine kleine, freiwillige Schülergruppe: Kollegi-4future. Etwa einmal im Monat treffen sich Lehrperson Maurice Vincent und mehrere Schülerinnen über den Mittag, um über Nachhaltigkeit zu sprechen und neue Projekte zu planen. Für Vincent ist dieses Engagement nicht selbstverständlich. «Es ist ein Minderheitenthema », sagt er. «Umso schöner ist es, zu sehen, wenn Jugendliche ihre Freizeit dafür investieren.» Für Sophie Bieri, Schülerin der 3. Gymi-Klasse, ist das Engagement auch familiär geprägt: Ihr Bruder war bis vor Kurzem Mitglied der Gruppe. Die 17-Jährige lacht und sagt: «Ich hatte eigentlich gar keine andere Wahl.» Doch hinter dem Scherz steckt eine ernsthafte Motivation. «Ich interessiere mich schon länger für Nachhaltigkeit – auch, weil ich Angst um unsere Zukunft habe, wenn wir als Gesellschaft nicht handeln.» Auch Noemie Bruhin (17) engagiert sich bewusst.  Sie versucht, ihren ökologischen Fussabdruck im Alltag möglichst kleinzuhalten: Sie ernährt sich vegetarisch, trägt oft Secondhand statt neue Kleidung, versucht, ihr altes Smartphone  so lange wie möglich zu nutzen. Gleichzeitig erleben die Schülerinnen auch, dass Nachhaltigkeit im Schulalltag nicht immer auf Begeisterung stösst. Als die Gruppe monatlich einen vegetarischen Tag in der Mensa anregte, sei das in manchen Klassen nicht gut angekommen. Der Unterschied zwischen Wissen und Verhalten wird bei diesem Beispiel deutlich.

Tauschen, teilen, weitergeben

Der Kleidertauschschrank im Gewölbe funktioniert ohne moralischen Zeigefinger und ohne grosse Kampagne. Wer möchte, bringt Kleidung oder Bücher vorbei – und nimmt etwas mit, was ihm gefällt. Neben dem Tauschen gehört bei «Kollegi4future» auch praktische Arbeit dazu. Nika Clavadetscher (16) engagiert sich im Gemüsegarten des Kollegi. Dort werden Tomaten, Zucchetti oder Kürbisse angebaut. Ein Teil der Ernte landet später in der Mensa. «Ich mache die Gartenplanung und kümmere mich mit Kolleginnen um die Beete», erzählt Nika. «Dabei lerne ich Dinge, die man im Unterricht nicht lernt.» Geduld zum Beispiel. Oder wie Pflanzen wachsen und gepflegt werden. Lehrer Maurice Vincent sieht darin einen wichtigen Aspekt. «Die Jugendlichen wissen oft schon viel über Nachhaltigkeit», sagt er. «Aber entscheidend ist das Handeln.» Wenn Schülerinnen und Schüler gemeinsam Projekte umsetzen, wachse das Bewusstsein, im Kleinen etwas bewirken zu können.

Das Kollegi Schwyz beschäftigt sich nicht nur in einer freiwilligen Gruppe mit Nachhaltigkeit.  Die Schule war die erste Mittelschule der Schweiz, die das Label «Energieschule» erhielt. Für Prorektor Urs Knaack ist Nachhaltigkeit am Kollegi denn auch kein neues Thema. «Als ich 1999 hier als Lehrer anfing, gab es bereits Umweltgruppen», sagt er. In verschiedenen Klassenstufen beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler heute mit nachhaltigem Konsum, Energie oder  Mobilität. Dazu gehören Exkursionen in die Umweltarena Spreitenbach, Besuche von Kraftwerken oder eine Nachhaltigkeitswoche in der Abschlussklasse – inklusive einer Exkursion auf den Aletschgletscher. Ziel ist, die grossen Themen nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern erlebbar zu machen.

Eine Doppellektion über Energie

Ortswechsel: Bezirksschule Steinen, ein  Dienstagmorgen. Zwei Klassen der 3. Oberstufe sitzen in einer Doppellektion über Energie. Geleitet wird sie von Claudio Hirschbühl, Projektleiter Energiedienstleistungen bei ebs. «Unser Unternehmen steht für eine zukunftsorientierte Energieversorgung. Deshalb ist es uns wichtig, junge Menschen früh für das Thema Energie zu sensibilisieren», erklärt er. Zu Beginn geht es um die Grundlagen: Was ist Energie überhaupt? Wo begegnet sie uns im Alltag? Welche Energieträger sind erneuerbar – und welche nicht? Schnell wird deutlich: Energie ist nicht nur ein Thema aus dem Physikunterricht, sondern betrifft ganz konkrete Lebensbereiche – vom Smartphone über den Verkehr bis zur Heizung zu Hause.  Besonders anschaulich wird die Diskussion beim Blick auf das eigene Schulhaus. Auf dem Dach der Bezirksschule befindet sich eine Photovoltaikanlage. Im Eingangsbereich des Gebäudes informiert ein digitaler Screen in Echtzeit über die aktuelle Stromproduktion der Solaranlage auf dem Schuldach. Dass Nachhaltigkeit an der Bezirksschule langfristig verankert ist, zeigt auch eine aktuelle Auszeichnung: 2025 wurde die Schule zum wiederholten Mal als «Energieschule» zertifiziert. Die Rezertifizierung würdigt das  kontinuierliche Engagement der Schule im Bereich Energie und Nachhaltigkeit. Ein Beispiel dafür ist der Energierundgang für die 1. Oberstufe: Hauswart Francesco Sorrentino führt die Schülerinnen und Schüler dabei durch das Schulhaus und zeigt anschaulich, wie Themen wie Heizung, Energieverbrauch oder Abfalltrennung im Alltag umgesetzt werden. Auch in der Energielektion von ebs zeigt sich, dass viele Schülerinnen und Schüler bereits mit dem Thema vertraut sind. Sie haben sich in den Wochen zuvor intensiv mit Energiefragen auseinandergesetzt und beteiligen sich entsprechend engagiert an der Diskussion. Nach der Lektion sprechen wir mit einigen Jugendlichen darüber, wie sie selbst über Energie, Nachhaltigkeit und ihre Zukunft denken. Ihre Antworten zeigen: Die Perspektiven sind so unterschiedlich wie ihre Lebenswelten.

Claudio Hirschbühl, Projektleiter Energiedienstleistungen bei ebs, leitet eine Energielektion an der Bezirksschule Steinen.

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