Mode mit Haltung
Nachhaltigkeit in der Modebranche? Für Kilian Wiget ist das kein Schlagwort, sondern eine Überzeugung. Mit seinem Unternehmen WE ARE ZRCL setzt er auf transparente Lieferketten, langlebige Produkte und eine konsequente Kreislaufidee – von der Biobaumwolle bis zur Reparatur.

Im Laden von WE ARE ZRCL an der Schmiedgasse in Schwyz ist es an diesem Freitagnachmittag ruhig. Zwischen Kleiderständern mit T-Shirts, Hoodies und Strickmützen begrüsst uns Kilian Wiget mit einem freundlichen Händedruck. Der 41-Jährige wirkt entspannt, fast ein wenig zurückhaltend. Doch sobald er über sein Unternehmen spricht, merkt man schnell: Hier steht jemand mit einer klaren Überzeugung hinter dem, was er tut. «Kommt, ich zeige euch kurz alles», sagt Wiget – und führt zuerst eine Treppe hinunter in den Keller. In den Lagerräumen stapeln sich Kartons mit neuen Kollektionen. Ein Raum ist für Produkte aus dem Ausland reserviert, ein anderer für die SWISS EDITION, die in der Schweiz produziert wird. Danach geht es wieder nach oben, vorbei am Laden, eine weitere Treppe hinauf ins Obergeschoss. Hier hängen Prototypen neuer Kollektionen, an den Wänden kleben Skizzen und Stoffmuster. In einer Ecke steht eine Kamera auf dem Stativ – bald sollen hier die Fotos für die kommende Wintersaison entstehen.
Aus einer Vision wurde Realität
Von diesem Haus im Herzen von Schwyz aus hat sich die Marke längst über die Region hinaus verbreitet: Neben dem Flagship-Store arbeiten heute rund 40 Partnerläden in Städten wie Zürich, Luzern oder St. Gallen mit WE ARE ZRCL zusammen. Wer Kilian Wiget in diesem Raum zuhört, merkt schnell: Der Unternehmer spricht nicht einfach über Mode – sondern über Werte. Diese Überzeugung führte ihn vor gut zehn Jahren zur eigenen Marke. Der Name WE ARE ZRCL leitet sich vom englischen Wort «circle» (Kreis) ab – ein Hinweis auf die Idee eines geschlossenen Kreislaufs. Kleidung soll möglichst nachhaltig produziert werden, lange getragen werden – und danach nicht einfach im Abfall landen, so Wigets Überzeugung. Unterstützung erhielt der junge Unternehmer vom Schweizer Baumwollpionier Patrick Hohmann, Gründer der Remei AG. Gemeinsam entstand 2015 das erste T-Shirt aus bioRezertifizierter Baumwolle.
Aus dem Einmannprojekt entwickelte sich Schritt für Schritt ein Unternehmen mit mehreren Mitarbeitenden – oder, wie Wiget sie nennt: «Aktivistinnen und Aktivisten». Heute umfasst das Sortiment von WE ARE ZRCL T-Shirts, Pullover, Jacken oder Mützen. Besonders stolz ist Wiget auf die sogenannte SWISS EDITION: Kleidungsstücke, die nach hohen ökologischen und sozialen Standards in der Schweiz gefertigt werden. Dabei bewegt sich das Unternehmen bewusst in einer Nische. «Wir sind die Nische der Nische», sagt Wiget. Denn auch grosse Modeketten bieten mittlerweile einzelne Bioprodukte an. Der Unterschied liege jedoch im Anspruch: Bei WE ARE ZRCL soll Nachhaltigkeit nicht Marketing sein, sondern Grundlage des gesamten Geschäftsmodells.

Transparenz statt Greenwashing
Ein zentrales Element dieses Ansatzes ist Transparenz. Jedes Kleidungsstück von WE ARE ZRCL verfügt über einen sogenannten «Track me»-Code. Damit lässt sich die gesamte Produktionskette digital nachvollziehen – vom Baumwollfeld bis zum fertigen Produkt. «Es braucht viel Aufwand, um diese Transparenz zu schaffen. Doch es lohnt sich», sagt Wiget. Denn genau darin sieht er einen wichtigen Schritt hin zu einer verantwortungsvolleren Modeindustrie. Das digitale System zeigt beispielsweise, in welchen Betrieben die Baumwolle verarbeitet wurde oder welche Produktionspartner beteiligt waren. Auch beim Thema Energie versucht WE ARE ZRCL möglichst konsequent zu handeln. In Schwyz nutzt WE ARE ZRCL Strom aus Wasserkraft von ebs – eine Energiequelle, die gut zu den eigenen Nachhaltigkeitsansprüchen passt. Und auch bei internationalen Produktionspartnern wird darauf geachtet, dass möglichst erneuerbare Energie eingesetzt wird, etwa Sonnenstrom in Portugal.
Kleidung länger im Umlauf halten
Für Kilian Wiget endet Nachhaltigkeit nicht beim Verkauf eines Produkts. Vor seinem Geschäft steht ein öffentlich zugänglicher Kleidertauschschrank: Wer möchte, kann gut erhaltene Kleidungsstücke vorbeibringen und gegen andere tauschen. Ziel ist es, Kleidung länger im Umlauf zu halten und Ressourcen zu schonen. Zusätzlich bietet das Unternehmen ein Reparaturprogramm an.
Ein Schneider kümmert sich darum, beschädigte Kleidungsstücke zu flicken, damit sie weitergetragen werden können. «Jedes reparierte Stück verlängert den Lebenszyklus eines Produkts», sagt Wiget. Der Unternehmer weiss allerdings auch, dass nachhaltige Mode kein einfacher Markt ist. Einerseits wächst das Bewusstsein für Umweltfragen, andererseits werden weltweit immer mehr billige Kleidungsstücke produziert und online verkauft. «Viele wissen eigentlich, dass sie solche Produkte nicht kaufen sollten – und tun es trotzdem», sagt Wiget. Trotz vieler Herausforderungen blickt der Unternehmer optimistisch in die Zukunft. In den vergangenen Jahren sei WE ARE ZRCL langsam, aber stetig gewachsen – genau so, wie er es sich vorgestellt habe. «Ich strebe nicht nach der Weltherrschaft», sagt Wiget und lacht. Entscheidend sei vielmehr, dass das Unternehmen seinen Werten treu bleibt. Denn für ihn ist klar: «Nachhaltige Mode beginnt nicht erst bei der Produktion, sondern bei der Haltung dahinter.»
Ausgezeichnete Qualität
WE ARE ZRCL wurde als erstes Schweizer Textillabel mit dem international anerkannten TESTEX-DURABILITY-Zertifikat ausgezeichnet. Das Label bestätigt die Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwertbarkeit von Textilien – zentrale Kriterien für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Ausgezeichnet wurde das «SWISS EDITION» T-Shirt, das unter besonders hohen Nachhaltigkeitsstandards in der Schweiz produziert wird.
